Branchenreport Trends

Aktuelle Trends im Gesundheitswesen

Die Spitallandschaft der Schweiz ist geprägt von einer Vielzahl von Akteuren, einer starken Fragmentierung und einem hohen Komplexitätsgrad. Zudem unterliegt sie einem stetigen Wandel: der demografischen Entwicklung, der Zunahme chronischer Krankheiten, mangelnder Steuerbarkeit und Transparenz, steigendem Kostendruck und neuen Versorgungs- und Finanzierungsformen. Lean Hospital wird zugetraut, einen signifikanten Beitrag im Umgang mit diesen Herausforderungen zu leisten.

Quelle: A. Angerer, E. Hollenstein, F. Liberatore. Das Schweizer Spitalwesen – Eine Managementperspektive. Ein Branchenreport des Winterthurer Instituts für Gesundheitsökonomie. Edition 2016 – 2017.

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Mit welchen Herausforderungen ist die Branche konfrontiert?

Dem ohnehin bestehenden massiven Kostendruck stehen gleichzeitig hohe Ansprüche an Effizienz, Qualität der Leistung und Sicherheit der Patienten gegenüber. Die Kennzahlen der Spitäler verdeutlichen, dass sich das schweizerische Gesundheitswesen durch eine grosse Dynamik und eine rasch wachsende wirtschaftliche Bedeutung auszeichnet.

Die starke Dynamik der Branche spiegelt sich auch in der medialen Berichterstattung wider: Im Bereich Mergers und Acquisitions war die Berner Spitalfusion ein zentrales Thema. Dies deutet darauf hin, dass die Konsolidierung des Gesundheitsmarktes weiter an Bedeutung gewinnen wird. Die Berichterstattung im Bereich Innovation und Technologie zeigte, dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranschreitet. Hauptthema in diesem Gebiet war 2015 die Verabschiedung des Bundesgesetzes über das elektronische Patientendossier, was nicht nur zu Diskussionen rund um den Schutz sensibler Patientendaten führte; auch Chancen und Herausforderungen in der praktischen Umsetzung wurden intensiv thematisiert. Im Bereich Personelles und Human Resources wurde unter anderem über eine hohe Fluktuationsrate, insbesondere im Pflegeberuf, berichtet. Gleichzeitig herrscht im Gesundheitswesen ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, der sich von Jahr zu Jahr verschärft.

Welche Trends lassen sich beobachten?

Die Trendanalyse lässt darauf schliessen, dass neben anderen die folgenden Entwicklungen die Schweizer Spitallandschaft kurz- bis mittelfristig beinflussen werden:

  • Die digitale Transformation durch e-Health schreitet voran
  • Der Fachkräftemangels verschärft sich zunehmend
  • Sinkende Fallpreise zwingen zu höheren Fallzahlen
  • Der anspruchsvolle Patient steht im Mittelpunkt

Die ganzheitliche Betrachtung der Entwicklung ergibt ein insgesamt optimistisches Bild. Fünf der neun Branchentrends ermöglichen gemäss der Experteneinschätzung eine Verbesserung der Qualität zu geringeren Kosten. Konkret handelt es sich hierbei um:

  • Den vermehrten Einsatz von Überwachungs-, Beobachtungs- und Betreuungs-Geräte und -Apps vor allem in der Betreuung chronischer Krankheiten
  • Die zunehmende Delegation gewisser ärztlicher Aufgaben an andere Berufsgruppen und Funktionen
  • Lean Hospital als vielversprechende Management-Philosophie für Schweizer Spitäler
  • Das Fortschreiten der vertikalen und horizontalen Integration, z.B. durch Fusionen oder Kooperationen
  • Die Entlastung der Spitäler durch die vermehrte Nutzung von Patientenhotels, in denen Patienten mit einfachen Pflegebedürfnissen behandelt werden

Die Stärke dieser Trends wird für die nächsten drei bis fünf Jahre eher als schwach bis mittelmässig eingeschätzt. Hier gilt es wirksame Massnahmen zu treffen, um die (Weiter-)Entwicklung der Trends zu fördern.

Welchen Beitrag kann Lean Hospital leisten?

International verbreitet sich der Trend zum Lean Hospital. Auch in der Schweiz wird sich der Trend in den nächsten Jahren weiter verstärken. Zu diesem Thema herrscht unter Experten eine mehrheitlich homogene Meinung: Es wird davon ausgegangen, dass das Managementsystem weiter Einzug in die Schweizer Spitäler halten wird. Der Grossteil der Befragten geht davon aus, dass dies sowohl zu einer Verbesserung der Kosteneffizienz als auch zu einer Qualitätsverbesserung führen wird.