Digitalisierung Am Meeting Am Meer

Lean schafft ideale Voraussetzungen für die Digitalisierung

Die Digitale Revolution macht auch vor Kliniken nicht halt. Krankenhäuser, die diese Umwälzung überleben wollen, müssen umdenken, anders arbeiten und ihre Führungsgrundsätze ändern.

Unter dem Motto “Digitalisierung der Krankenhäuser – wie sieht die Zukunft aus?” tauschten sich am 13. Meeting-am-Meer  IT-Verantwortliche und Führungskräfte aus dem Gesundheitswesen mit renommierten Branchen-Experten aus. 

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen gewinnt an Dynamik und wird neue Anforderungen an die Technik, Organisation und Führung stellen. Längst sollte dieses Thema bei allen Gesundheitsdientleistern oben auf der Agenda stehen. Doch Verantwortungsträger begehen meist denselben Fehler: Sie schreiben die Vergangenheit linear in die Zukunft fort. Dabei verkennen sie, wie radikal eine von Software, Services und Daten getriebene, digitale Welt die tradierten Wertschöpfungsketten im Gesundheitswesen verändern wird. Diese digitale Welt ist nicht Science Fiction von 2050, sondern die Realität von morgen.

Der digitale Patient, mobile Geräte, smarte Analytik und Chief Digital Officers

Branchenexperten wie Prof. Riedel erörterten, dass Digitalisierung in Krankenhäusern keinesfalls ein neues Thema darstellt. Zahlreiche Kliniken haben sich für diverse IT-Lösungen entschieden. Dennoch ist der Digitalisierungsgrad vieler Prozesse noch unzureichend. Weder erfährt das Personal genügend Entlastung durch die digitalen Lösungen, noch wird der Patient ausreichend unterstützt. Prof. Dr. Kamyar Sarshar, HSBA Hamburg School of Business Administration berichtete aus Sicht der beteiligten Unternehmen, dass der potentielle Nutzen von eHealth gemäss Erhebungen durchaus positiv beurteilt wird, die Unternehmen jedoch von der digitalen Wertschöpfung noch zu wenig überzeugt sind. „Zwar zeigen Kunden hohes Interesse an eHealth, allerdings kaum Zahlungsbereitschaft dafür.“

Bedarf ist auch für Smart Data und smarte Analytik vorhanden. Durch Vernetzung und Smart Data erhalten Healthcare-Daten neuen, erweiterten Mehrwert. Auch hier tun sich Kliniken schwer darin, das vorhandene Potential zu realisieren. Dr. Bernd May, MBM Medical-Unternehmensberatung, meinte zum Status quo kritisch: „Klinik-Geschäftsführungen sehen vordergründig nur die Kosten.“

Angesprochen wurde auch der vermehrte Einsatz von mobilen Lösungen. Die Anwender wie Pflegekräfte, Ärzte und Funktionsdienste möchten die Patientendaten möglichst aktuell und zeitnah direkt am Patienten verwenden. Medizintechnische Geräte trennen sich von der klassischen festen Netzwerkstruktur und werden mobil. Damit ermöglichen sie die Integration von Anforderungen verschiedenster Klinik-Bereiche in die IT. Andreas Helling, Extreme Networks, meinte zu den Herausforderungen der mobilen Infrastruktur: „Sie lassen sich adressieren durch den Aufbau von sauber konzipierten Netzen, der Neubetrachtung der WLAN-Infrastruktur, redundante ausfallsichere Strukturen, ebenso wie durch Informationsaustausch zwischen den Organisationen (Verwaltung, Medizin-Technik, Ärzteschaft, Pflegepersonal)“.

„Digitalisierung ist revolutionär, nicht evolutionär.“ Die Revolution betrifft nicht nur Hard- und Software. Sie fordert nach Prof. Riedel auch ein zukunftsorientiertes Skill-Set deutscher Klinikverantwortlicher. Immer mehr drängt sich die Funktion eines Chief Digital Officers auf. „Sie alle müssen gerüstet sein für globale Umwälzungen“, empfahl Oliver Christ. In dramatischen Szenarios skizzierte er Healthcare-Transformationen durch digitale Giganten wie Apple, Google oder Facebook. In seinem Vortrag nahm Christ mehrfach Bezug auf die Theorie der Kondratjew-Zyklen des gleichnamigen russischen Wirtschaftswissenschaftlers. Derzeit befinden wir uns im “6. Kondratjew”, dem Gesundheitszyklus.

Digitalisierung und Dynamik im Krankenhaus

Wie sich Kliniken auf die digitale Zukunft vorbereiten können, dazu erhielten in der Veranstaltung „Digitalisierung der Krankenhäuser – wie sieht die Zukunft aus?“ die rund 60 teilnehmenden Krankenhausverantwortlichen zukunftsorientierte, innovative und umsetzbare Impulse – technisch, organisatorisch, wirtschaftlich und für die eigene Managementkompetenz. Als Thesen nahmen sie mit: Die Digitalisierung im Gesundheitswesen gewinnt an Dynamik und wird neue Anforderungen stellen, klassische Prozesse gehören daher auf den Prüfstand – optimierte, digital unterstützte Prozesse werden zum Kernfaktor eines modernen Krankenhauses, und Digitalisierung wird zum Wettbewerbsfaktor für Patienten und Personal. Allerdings werden durch die Digitalisierung langjährige Probleme in Abläufen und der Zusammenarbeit nicht automatisch gelöst, sie werden bestenfalls verschoben. Lean kann helfen, diese Probleme und deren Ursachen zu erkennen und zu verstehen.

Lean Hospital ebnet den Weg zum digitalen Krankenhaus

Daniel Walker ist von „Lean Hospital“ und seiner Bedeutung für die zukünftige Entwicklung des Gesundheitswesens überzeugt. „Mit der ,Lean Hospital’-Strategie sind Krankenhäuser erfolgreicher“, unterstreicht der Experte von walkerproject AG, „weil die Patienten an erster Stelle stehen und weil Patientenorientierung und Patientensicherheit zentrale Zielsetzungen sind.” Ein „Lean Hospital“ schaffe beste Voraussetzungen, um die digitale Revolution erfolgreich zu meistern. Somit werde „Lean“ zur ersten Wahl für alle Krankenhäuser, die sich im Wettbewerb behaupten müssen. Das Spital wird dabei als eine lernende und sich ständig weiterentwickelnde Organisation verstanden. Es ist wichtig, Mitarbeitende zur Steuerung zu befähigen und so die Selbstorganisation zu stärken. Nach dem Subsidiaritätsprinzip sollen Probleme dort gelöst werden, wo sie entstehen: so nahe am Patienten wie möglich. Die Voraussetzung dafür ist, Transparenz auf Tagesbasis zu schaffen, so dass über Abweichungen von Standards gesteuert werden kann. Dank dieser Standardisierung und fliessenden Prozessen ergeben sich grosse Automatisierungspotentiale.

Mehr lesen? Zum Orginalartikel: Meeting-am-Meer: Digitalisierung der Kliniken und der Prozesse – Strategische Instrumente moderner Krankenhausführung