Lean Bettenstation

Lean Bettenstation: die 7 Taktiken zum Erfolg

Das erfolgreiche Beispiel des Kantonsspitals Baselland macht Schule.

Vor drei Jahren nahm die erste Lean Bettenstation am Kantonsspital Baselland ihren Betrieb auf. Inzwi­schen wurden mindestens 15 Pilotprojekte in 10 Schweizer Spitälern umgesetzt. In der Fachwelt stösst das Konzept auf grosses Interesse.

Traditionell arbeiten Pflegestationen nach dem Modell der seriellen Aufgabenerledigung. Man arbeitet eine Liste ab. Dann dokumentiert man das Ganze vor dem Abschluss der Schicht. Weil man nicht alles alleine machen kann, muss man andere für bestimmte Aufgaben involvieren. Dies ist jedes Mal mit viel Aufwand verbunden. Jede Aufgabe ist ein «Einzelfall».

Lean Bettenstationen gehen die Problematik systematisch an. Die Lean-Philosophie bietet ein Raster, um die Situation auf einer Bettenstation besser zu verstehen. In einem zweiten Schritt werden Taktiken verwendet, um die Situation zu verbessern. Der Ausgangspunkt für alle Verbesserungen ist die Perspektive des Patienten. Am schnellsten kommt man vorwärts, indem man reale Patienten in die Verbesserungsaktivitäten integriert. Patienten können sehr präzise sagen, wie sie die Situation erleben, wenn sie sich gerade darin befinden. Es geht hier nicht um Luxuswünsche, sondern darum, berechtigte Bedürfnisse zu verstehen und die Dienstleistung daran auszurichten.

Mehr Zeit für den Patienten dank den sieben Taktiken

Die sieben Taktiken der Lean Bettenstation entspringen den 14 Prinzipen der Lean-Philosophie, welche im Umfeld von Toyota entwickelt wurden. Die Umsetzung der sieben Taktiken führt zu einer Systemveränderung, die für alle Beteiligten herausfordernd ist. Die Wirkung entsteht durch das Zusammenspiel von Lösungen, die sich aus den Taktiken ergeben. Daraus resultieren Verbesserungen für Patienten, Angehörige und Mitarbeitende. Die Taktiken müssen auf die jeweilige Situation und die Anforderungen von Patienten und Team angepasst werden. Es ist spannend zu sehen, dass unterschiedliche Lösungen möglich sind.

Die 7 Taktiken:

  1. Dem Patienten geben, was er jetzt braucht
  2. Alle Leistungen zum Patienten bringen.
  3. Das Prinzip der Soforterledigung leben.
  4. Das Geschehen sichtbar machen
  5. Unmittelbar auf Abweichungen reagieren
  6. Die Arbeitsbelastung ausbalancieren
  7. Im oberen Drittel der Qualifikation arbeiten

Die Anwendung dieser sieben Taktiken führt dazu, dass ein Systemwandel stattfindet. Die Lean Bettenstation ist resilient, d.h. die Lern- und Anpassungsfähigkeit des Behandlungsteams wird erhöht. Mitarbeitende beschreiben den Arbeitsalltag als ruhiger und einfacher zu bewältigen. Kritische Patientensituationen werden früher erkannt und können besser aufgefangen werden. Das gibt den Mitarbeitenden Sicherheit und Klarheit, welche sich auf die Patienten überträgt: Sie fühlen sich besser aufgehoben.

Die Einführung einer Lean Bettenstation ist für alle Beteiligten eine grosse Veränderung. Damit verbunden sind Unsicherheiten und Widerstand. Neue, bisher unbekannte Arbeitsweisen müssen erlernt werden. Bis sich das neue System im Alltag verfestigt hat, vergehen Wochen, manchmal sogar Monate. Die Arbeit wird transparenter und der oder die Einzelne steht stärker in der Verantwortung und erhält gleichzeitig mehr Möglichkeiten zur Mitgestaltung. Mitarbeitende sowie Führungspersonen, die sich auf diesen Wandel einlassen, verdienen unseren Respekt.

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