NOR 17 01 Simulation

Integrated Facility Design – zu Besuch bei der Simulation des grössten Notfallzentrums Skandinaviens

Zahlreiche Spitäler planen in den kommenden Jahren, in neue Infrastruktur zu investieren. Dabei hegen Patienten und Mitarbeitende grosse Erwartungen. Im Neubau soll vieles besser werden als heute – dazu muss vieles anders werden. Dies bedingt neue Arbeitsweisen und Formen der Zusammenarbeit, welche in der neuen Infrastruktur abgebildet werden. Das Wissen und die Kompetenz der Mitarbeitenden ist dabei entscheidend. Sie stehen täglich im Patientenkontakt und kennen die Problemstellungen im Arbeitsalltag.
 
Die Kommunalverwaltung und das Universitätsspital in Oslo planen den Neubau des städtischen Notfallzentrums „Ny Storbylegevakt“: Aktuell werden dort jährlich über 200’000 Patienten versorgt. Um das Wachstum bis 2035 auf bis zu 350’000 Patienten zu absorbieren, hat sich das Projektteam dazu entschieden, seine Prozesse radikal neu zu denken. Der Patient soll künftig im Mittelpunkt stehen. Die Wertschöpfung soll sich an ihm ausrichten. 
 
Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten Vertreter aus Pflege, Ärzteschaft, Verwaltung, Planung und Architektur während zweier Monate intensiv in ihrer Simulationszone – 500 Quadratmeter Fläche, ausgerüstet mit mobilen Wänden aus Pappkarton, Umzugsboxen, Patientenbetten, Rollstühlen, buntem Papier und jeder Menge Post-its. Die Simulationszone ist die Innovationsplattform für Prozesse, Infrastruktur und IT-Unterstützung.
 
Gemeinsam mit unserem norwegischen Partner Comte Bureau unterstützt walkerproject den Neubau des Notfallzentrums in Oslo. Werfen Sie einen Blick auf die spannende Arbeit in der Simulationszone

Patienten und über 50 Mitarbeitende aller Berufsgruppen designen die Prozesse und die Infrastruktur der Zukunft: für ein verbessertes Patientenerlebnis, zufriedene Mitarbeitende und hohe Ressourceneffizienz. 
 
In intensiven Simulationssequenzen werden Ideen generiert, getestet, verworfen und weiterentwickelt. Der Blick auf die Bedürfnisse der Patienten hilft, einen gemeinsamen Nenner zwischen den verschiedenen Berufsgruppen zu schaffen. Nicht jede Idee funktioniert auf Anhieb. In der Simulationszone heisst Patientenorientierung, die Patientenbedürfnisse zu ergründen und neue Prozesse konsequent danach auszurichten. 
 
Ein Erfolgsfaktor des Integrated Facility Design ist es, Patienten in die Simulationen einzubeziehen. Ihre Perspektive schafft Ernsthaftigkeit und fokussiert das Projektteam auf das Wesentliche. Patienten merken oft wenig von organisatorischen Fragen, die Mitarbeitende stark beschäftigen. Ob die IT-Systeme für die Registrierung zwischen den Kliniken vernetzt sind, interessiert sie wenig. Wichtig ist für sie, dass man sich von Beginn weg um sie kümmert. Das sagen zwei Patientinnen, die für die Simulation des Eingangsbereichs und des Registrierungsprozesses eingeladen wurden. Sofort engagiert sich das Projektteam im Dialog: Was hat ihnen gefallen? Was kann verbessert werden? Wie haben sie den Prozess verstanden? Je häufiger die Patienten einbezogen werden, desto schneller können Ideen validiert oder verworfen werden. Nach fünf Minuten ist der nächste Prototyp zum Test bereit. 
 
Die Begeisterung in der Simulationszone ist ansteckend. Teams, die sehr selten miteinander arbeiten, spornen sich zu neuen Ideen an. Viele Ideen für das neue Gebäude werden in derselben Woche noch im Tagesgeschäft ausgetestet. In der Konsequenz entstehen in der Simulationszone nicht nur neue Raumprogramme – sondern auch viel Begeisterung für die vielen Veränderungen, welche ein Neubauprojekt mit sich bringt.