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Ambulant vor stationär: Prototyping praktisch angewendet

In der Schweiz werden deutlich mehr Eingriffe stationär durchgeführt als im Ausland. Dies, obschon ein ambulanter Eingriff aus medizinischer Sicht in vielen Fällen sinnvoller wäre. Der Regulator (Staat) will den Trend durch neue Bestimmungen erzwingen.

Wieso „ambulant vor stationär“?

Haupttreiber der Entwicklung „ambulant vor stationär“ sind vor allem Fortschritte in der Medizin und die Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten. Die medizinischen Fortschritte ermöglichen es heute operative Eingriffe vorzunehmen, die den Patienten mit geringen Nebenwirkungen belasten. Somit sinkt auch der postoperative Überwachungsaufwand. Es ist ein Bedürfnis von Patientinnen und Patienten, am selben Tag wieder nach Hause gehen zu können und in ihrem eigenen Bett zu schlafen.

Dazu kommt, dass stationäre Eingriffe in der Regel wesentlich teurer sind als ambulante. Die Kosten der Gesundheitsversorgung könnten mit der Umlagerung von Eingriffen in den ambulanten Bereich reduziert werden und sind somit aus volkswirtschaftlicher Sicht wünschenswert.

Was kann dem Grundsatz „ambulant vor stationär“ zum Durchbruch verhelfen?

Das Team von walkerproject unterstützt Krankenhäuser bei der Ausarbeitung und Implementierung ihrer ambulanten Versorgungsstrategie. Das Ziel ist, den Patienten das zu geben, was sie jetzt brauchen. Die Beantwortung dieser Frage hat grosse Auswirkungen auf die Gestaltung der Prozesse im Krankenhaus. Dem Prototyping der Prozesse einer ambulanten Versorgungseinheit (z.B. OP) kommt eine zentrale Bedeutung für die Umsetzung der Strategie zu. Ein Team, zusammengesetzt aus verschiedenen Berufsgruppen und Disziplinen des Spitals, prototypisiert mit Hilfe des Teams von walkerproject eine ambulante Einheit nach den Vorstellungen und Wünschen von Patientinnen und Patienten. Durch die aktive Gestaltung der Mitarbeitenden fliessen automatisch ihre Wünsche nach effizienten Prozessen und wenigen Verschwendungen mit ein. Das Prototyping beinhaltet verschiedene Auflösungsstufen, einfache Materialien wie Kartons und Pinnwände stellen Rezeption, Betten, Vorhänge und Wartebereiche dar. Der ambulante Prozess-Prototyp wird so mit allen Mitgliedern gestaltet, mehrere Male durchlaufen, diskutiert und immer feiner optimiert.

Wie läuft so ein Prototyping ab?

Das interdisziplinäre und interprofessionelle Team des Spitals wird in Kleingruppen aufgeteilt, welche sich anschliessend auf die Gestaltung eines Teilprozesses fokussieren. Dabei werden die Prozesse anfassbar aufgebaut: es werden Kartons herumgeschoben, aufeinander getürmt, es entsteht ein Check-in Bereich, Post-its werden beschriftet und repräsentieren so zum Beispiel eine digitale Anzeige. In dieser Gestaltungsphase entsteht enorm viel Wissen. Nach einiger Zeit kommen die Gruppen wieder zusammen und es wird der ganze Prozess zusammen durchlaufen. Die Gruppe, welche sich auf die Optimierung des ersten Prozesses fokussiert hat, präsentiert den anderen Gruppen ihre Ideen. Der aufgebaute Prozess-Prototyp widerspiegelt die Sicht der Patienten und der Spitalmitarbeitenden. Durch die konkrete Ausgestaltung wird der ganze Patienten- und Mitarbeitenden-Fluss ersichtlich. Gleichzeitig werden auch kleinere Themen geklärt, wie zum Beispiel: Welches ist der beste Ort für den Patienten um seine Jacke ablegen zu können?

Das Prototyping bringt eine sehr hohe Dynamik in den Gestaltungsprozess. Dadurch können schnell und mit wenig Aufwand zentrale Herausforderungen interdisziplinär und interprofessionell gelöst werden. So wird Prototyp für Prototyp echte Teammedizin und ein nachhaltiges Patientenerlebnis erschaffen.