Fokus Innovation Betrieb Lean Hospital

Lean Hospital erfolgreich umsetzen

Nicht alle Wege führen nach Rom

Verschiedene Schweizer Spitäler setzen «Lean Hospital» erfolgreich um. Einige haben sich inzwischen mehr oder weniger deutlich für Lean entschieden. Gleichzeitig zeigt sich: Nicht alle werden mit Lean Hospital glücklich und erfolgreich sein. Woran liegt das?

Artikel erschienen in: Heime und Spitäler, Nr. 4 / Oktober 2016.

Bezüglich Lean gibt es viele Missverständnisse. «Der Patient kommt immer zuerst» ist nicht nur einfach ein Slogan. Es ist die Basis eines Kulturwandels, der alle Bereiche eines Spitals durchdringt. Im Folgenden geht es um die Empfehlungen von Spitälern, die Lean Hospital erfolgreich umsetzen.

Eine Betriebsphilosophie, keine Toolbox

Lean Hospital geht über den reichhaltigen Lean-Werkzeugkoffer hinaus: Es ist eine Betriebsphilosophie. Sie setzt sich zum Ziel, die Leistungsfähigkeit eines Spitals zu steigern. Das geschieht, indem ein Spital die richtigen Dinge tut beziehungsweise sich ausrichtet (Fokus), sich im Alltag kontinuierlich verbessert (Betrieb) sowie Möglichkeiten der radikalen Verbesserung wahrnimmt (Innovation).

Es beginnt mit der Führung

Wir müssen feststellen: Dort wo die Führung Lean Hospital an die Mitarbeitenden im Tagesgeschäft delegiert, kommt man nicht voran. Wer Lean Hospital nicht zur Betriebsphilosophie erklärt, schöpft höchstens 20 Prozent des Potenzials aus. Der Schlüssel zum Erfolg ist eine standardisierte und tagesaktuelle Führung. Das Ziel ist, die Energien der Mitarbeitenden für das gemeinsame Ziel zu mobilisieren. Die Erfolgsfaktoren werden stufengerecht übersetzt und täglich überprüft. Anders gesagt: Jeder Mitarbeitende weiss tagtäglich, was sein Beitrag zur langfristigen Entwicklung des Spitals ist und ob man auf Kurs ist.

Lean Hospital braucht einen Plan

Man kann nicht einfach ein wenig Lean machen und dann noch ein wenig mehr – aber vielleicht auch weniger. Es empfiehlt sich, einen Plan zu haben und diesen zu verfolgen. Viele Spitäler wollen zuerst testen, ob Lean in ihrem Betrieb funktioniert. Das ist verständlich. Was man heute jedoch weiss, ist, dass man das Führungssystem gemeinsam mit dem Leistungssystem entwickeln muss. Anhand von sogenannten Modell-Zellen werden Teilsysteme, beispielsweise eine Bettenstation oder der OP als Prototypen, nach Lean Prinzipien umgestellt. Das Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit von Lean Hospital unter Beweis zu stellen. Es ist dabei zentral, tagesaktuell zu führen und Verbesserungen kontinuierlich zu identifizieren und zu realisieren (Kaizen).

Arbeit einer Generation

Lean ist keine schnelle Diät gegen ein akutes Kostenproblem. Manchmal lassen sich mit Lean Methoden spektakuläre Resultate erzielen. Dennoch setzt Lean nicht bei den Kosten an, es geht nicht um Leistungsverdichtung. Es ist ein Weg, für die Patienten im Spital mehr Wertschöpfung zukommen zu lassen und weniger von den Dingen zu tun, die dafür nicht erforderlich sind. Ein zweites Prinzip ist, Fehler zu vermeiden. Das Ergebnis ist eine höhere Qualität bei gleichem Mitteleinsatz. Spitäler wenden viel Geld dafür auf, Fehler, die vorne im Prozess passiert sind, weiter hinten zu korrigieren.

Lean beginnt damit, dass man die heutige Realität im Spital aus Patientensicht betrachtet und die eigene Wahrnehmung schärft. Wer Lean Hospital einführen will, begibt sich auf eine Reise, die sich über mehr als eine Führungsgeneration hinziehen wird. Je länger man sich mit Lean Hospital beschäftigt, desto mehr ist man davon überzeugt und desto besser versteht man, dass man über viele Dinge noch nicht viel weiss. Lean erzieht zur Demut und zum Respekt vor den Menschen, seien es Patienten oder Mitarbeitende.