Patient-Centric Design im Zelt

Warum nur optimieren wenn man es auch komplett neu definieren kann? Diese Frage stellte sich die Kinderklinik und die Kinderchirurgie des Landeskrankenhauses Graz in Österreich. Sie wollen in Zukunft gemeinsame Wege gehen.

DasZeltIn solchen Projekten werden üblicherweise Raumpläne und Infrastrukturanforderungen im Trockenen auf Papier definiert. Viele Details bleiben dabei ungeklärt. Das Design wie in Zukunft konkret gearbeitet wird oder wie der Patient sich innerhalb der neuen Lösung bewegt und zufrieden ist, werden zu spät definiert. Idealerweise wird Klarheit über das zukünftige Patientenerlebnis und die dafür notwendige Arbeitsweise definiert, noch bevor ein Strich auf einem Bau- oder Prozessplan gezeichnet wurde – und dies nicht auf Papier. Das Grazer Team wollte mit dem Vorgehen Patient Centric Design genau dies ändern. Nicht zuletzt, um auch die Ängste anzugehen, dass die beiden Ansichten von Kinderklinik und Kinderchirurgie nicht zusammengebracht werden können.

Eine solch mutige und motivierte Ambition bedarf eines Ortes, an dem neue Ideen prototypisiert, getestet und diskutiert werden. Die Reihenfolge ist entscheidend. Die Notlösung eines Zelts entpuppte sich als ideale Simulationszone. Darin konnte das interprofessionelle Team ihre gemeinsamen Soll-Lösungen physisch auslegen und gleich mit dem Patient testen, um danach das Patientenfeedback zu diskutieren. Prototypisieren heisst, es einfach mal zu bauen und es mit den Patienten testen. Dabei ist es gewünscht, dass zahlreiche Lösungsprototypen nach Simulationen mit Patienten verworfen werden, auch wenn die ganze medizinische Kompetenz mitarbeitet.

Patient-Centric Design im Zelt – Während 9 Simulationstagen flossen internationale Best Practices, regionale Anforderungen und zahlreiche Patientenfeedbacks in das Design ein. Gleichzeitig konnten IT- und Architektur-Experten die zukünftigen Anforderungen ableiten. Durch das gemeinsame Designen der zukünftigen Lösung wurde die Sprache der unterschiedlichen Anspruchsgruppen kontinuierlich zusammengeführt. Das Projektteam führte parallel zum Lösungsdesign zahlreiche Führungen im Zelt durch. Der Change war damit über das Projektteam hinaus initiiert.

Während den drei Monaten zeigte sich, dass eine beachtliche Portion Mut benötigt wird, um sich vom Bisherigen zu lösen und ein zukunftsweisendes Design zu prototypisieren. Das Zelt half, denn Führungsstrukturen, Prozesse, Rollen und Infrastrukturanforderungen zu definieren kann Spass machen – sehr viel Spass.